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Hans-Jürgen Hamer

 
   
 

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Hans-Jürgen Hamer 1949 in Hamburg geboren;

studierte von 1970 bis 1977 in Hamburg und Düsseldorf freie Malerei und künstlerisches Lehramt u.a. bei Hans Thiemann, Joseph Beuys und Erwin Heerich;

von 1977 bis 1981 Beschäftigung mit Philosophie und Kunstwissenschaft im Rahmen der Kunster­zieherausbildung;

Tätigkeit als freier Mitarbeiter in der Museumspädagogischen Abteilung der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf und des Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg, Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Hamburg und am Institut für Kontaktstudien in Hamburg;

lebt seit 1982 als Maler in Hamburg.

Über meine Arbeit:

Meine Arbeiten sind weder abstrakt noch realistisch.
Sie formen Momente, Aspekte und Situationen des Lebens.
Meine Formen sind auch Figuren, meine Farben stellen nicht nur sich selbst dar, sie stehen auch für Emotion, Beziehung, Gegenstand.

Schwarz-Weiß-Arbeiten könnten farbig sein.
Die Form ist auch Me­tapher.

Ich benutze unterschiedlichste Maltechniken und Materialien:
Tempera, Acryl, Dispersion, Öl, Aquarell, Zeichnung in verschiedenen Techniken und Materialien.
Als neuer Werkstoff fasziniert mich das Röntgenbild, ich verarbeite es in Objekten.

Ich strebe in meinen Bildern eine urbildhafte Reduktion der Form an, vergleichbar mit Höhlenmale­reien oder “primitiven“ Ritzzeichnungen. Diese Gestaltungen bilden für mich die Grundlage für die Darstellung seelischer Konstellationen.

Dabei entdecke ich Formen und Figuren, die ihre Bedeutung bei Veränderung ihrer Lage (z.B. Drehung um 180°) wandeln.
Und doch bleibt das Bild eine in sich geschlossene Ganzheit, bleibt für sich stimmig.
Die Figur muß so allgemein und abstrahiert sein, das sie in einen Bereich des Überganges gerät. Nur solche Figuren und Formen bringen (bei Verschiebung, Dre­hung, Spiegelung, Klappung) eine in sich stimmige neue Bedeutung hervor.
Die Gegenstandsform muß “schwebend“ werden.
Das Bild wird mehr oder weniger raumlos. Oder anders gesagt, der Raum wird „reliefhaft“, seine Richtungsbezogenheit (oben, unten, rechts, links) vage.

Ich nenne die entstandene Bildform “Bild der Wandlung“.
Durch diese Bildform werden thematische Darstellungen auf neue Weise möglich und ihre Zusam­menhänge auf überraschende Weise sichtbar.
Polaritäten werden deutlich: z.B. Leben - Tod, Freiheit - Gefangenschaft.
Die Wandlungen werden durch einfaches Drehen des Bildes vollzogen.

Künstlerische Entwicklung:

Zu Beginn meiner Arbeit setzte ich mich mit dem Gegenstand in Form von Stilleben, Portraits, Akt, lnterieurs und Landschaftsstudien auseinander. Meine Mittel waren die Zeichnung, das Aquarell und wenige Ölstudien. Ich nenne das meine selbst gewählte klassisch-konservative Ausbildung.

Gleichzeitig interessierten mich die unbewussten Strebungen und Impulse künst­lerischer Arbeit und so entstanden in den Jahren 1974 bis 1978 eine Fülle von Bleistift- und Federzeichnungen nach der Technik des psychischen Automatismus, ebenso Aquarelle und Ölbilder. Die klassische Moderne meldete sich an.

In den nächsten Jahren gewannen die Bilder und Zeichnungen eine kristallin-prismatische Struktur und Farbigkeit. Ich strebte einen bewusst kontrollierten Arbeitsprozeß an, dessen Gestaltungsimpuls spontan erfolgt.

In den Folgejahren beschäftigen mich Form und Farbe. Wie können Form und Farbe Träger ei­nes bestimmten Sinnzusammenhanges sein?
Als Drucktechnik kommt der Holzschnitt hinzu. Seine starken Kontraste, seine Plakativität, die Möglichkeit mit minimalem technischem Aufwand große Wirkungen zu erzielen, der Zwang zur Reduktion in Form und Farbe, die Notwendigkeit, Entscheidungen zu treffen, und die Reproduzierbarkeit der Werke reizen mich an dieser Technik.

Um 1983/84 bekommen die Gegenstände allmählich Stellvertreterfunktion.
Die Farbigkeit der Zeichnungen wird intensiver, lauter, greller. Farbstiftzeichnungen mit ihren häufig ungemischten nebeneinanderliegenden Farbflächen entstehen. Die Darstellungen sind zunehmend das Ergebnis vieler schwarzweißer und farbiger Studien.
Die Bildinhalte knüpfen an einer tradierten lkonologie an.

1991 wird der Baum mein zentrales Motiv. Ich wähle die Eitempera-Malerei mit ihrer leuchtenden, zugleich duftigen und materialen Farbqualität als zugehörige Technik.

Seit 1992 wird der Baum zum formelhaften Träger von Farbzusammenhängen und Bildstruk­turen. Meine Auseinandersetzung mit der Farbensyntax von Rudolf Arnheim bestimmt nun Farbwahl, Bildgestalt (große Formate) und Technik (Kunstharz- und Acryl­malerei). Die Motivwahl erweitert sich um die menschliche Figur und das Tier.

Im Zusammenhang mit den Farbstudien entdecke ich für mich den experimentellen und seriell gedruckten Holzschnitt. Ich wünsche mir die Einmaligkeit eines Originals, entstanden in einer Reproduktionstechnik.

    

Der Begriff der Metamorphose und der Wandlung werden mir wichtig. Veränderungen in Farbe, Gestalt, Lage erschaffen neue Sinnzusammenhänge. Der Holzschnitt mit seinem Formenbestand bietet sich als Experimentierfeld auf dem Gebiet der Farbgestaltung an. Thematisch findet die Idee der Wandlung unter anderem in den Lebensphasen Geburt und Tod eine Entsprechung.

     

Die Serie als Werkkomplex wird zum Feld der Auseinandersetzung:
Gleiche Motive werden variiert („Torsi“, „Sternschanzenbahnhof“).

Thematisch-inhaltliche Ideen finden in verschiedenen Bildern Ausdruck („Distanzen“).

Lebensabschnitte und -ereignisse finden Form in einem Motivzyklus („Antilopen“).

Formale Auseinandersetzungen fassen sich zusammen in Malereien und Drucken („Farbverzweigungen“, serielle Farbholzschnitte).